Österreich: “Forschungsnächte” im Skigebiet – Reise

0
22

Je länger der Lockdown dauert, desto deprimierter werden die einen und desto kreativer die anderen. Besonders in der arg gebeutelten Tourismusbranche, die in Österreich von fast staatstragender Wichtigkeit ist, kommt so mancher Hotelier und Skischulbetreiber auf durchaus bauernschlaue Einfälle, wie der Lockdown zu umgehen sei.

Nachdem sich in Jochberg bei Kitzbühel herausstellte, dass 38 junge Briten, die sich dort angeblich zur Skilehrerausbildung befanden, wohl doch eher Skianfänger waren, die sich beim Partymachen mit dem Coronavirus ansteckten, schlägt jetzt ein anderer Fall hohe Wellen.

Im Bregenzerwald, der für seine Innovationsfreudigkeit bekannt ist, kam ein Hotelier-Ehepaar auf die Idee, das eigene Hotel kurzerhand in ein Vereinsheim umzuwandeln. Der zugehörige Verein, der sich “Alpenarena Gesundheitsinstitut” nennt, verfolge den Zweck, im Rahmen des Forschungsprojektes “Aktiv sein und Alpenluft schnuppern” herauszufinden, wie sich “Regierungsmaßnahmen auf Wohlbefinden, die Lebensqualität, das körperliche Befinden und die allgemeine Gesundheit” auswirken. Namentlich genannt wird etwa die Maskenpflicht. Die Teilnehmer dürften “eigenverantwortlich handeln und nachher mitteilen, wie sie sich damit fühlen”.

Dass das Forschungsprojekt des Almhotels, zu dem auch das kleine Skigebiet Hochhäderich gehört, nicht ganz so hehren wissenschaftlichen Zielen dient, wird spätestens dann klar, wenn es auf der auf der Vereins-Website heißt: “Was wäre wenn… aus deinem geplanten Urlaub eine Teilnahme am Forschungsprojekt wird, … Reiseeinschränkungen, Quarantäne etc. dir nichts anhaben können?” Auch ein “Passierschein für den ungehinderten Grenzübertritt” wird den als Forschungsteilnehmern getarnten Urlaubern angeboten.

Der Lockdown, der nicht für Skigebiete, aber für Hotels noch mindestens bis zum 25. Januar gilt, könnte auf diese Weise, so wohl der Wunsch der Betreiber, umgangen werden. Doch dass Urlauber, die “Forschungsnächte” in dem Vier-Sterne-Hotel gebucht haben, diese auch wirklich antreten können, ist eher unwahrscheinlich. Die zuständige Bezirkshauptmannschaft von Bregenz war schon einige Male vor Ort, um zu kontrollieren, hat aber nichts Verdächtiges feststellen können. Eine “provokante Website” sei nicht strafbar. Man habe den Betreibern schon länger klar gemacht, dass Vereinskonstrukte die Anti-Corona-Maßnahmen nicht aushebeln könnten.

Und weil Tourismus in Österreich eben staatstragend ist, schaltete sich in dem Fall laut der Tageszeitung Der Standard sogar Tourismusministerin Elisabeth Köstinger ein, die ansonsten die Skigebietsöffnungen vehement verteidigt: “Wir werden nicht zulassen, dass durch solche Methoden die Einschränkungen umgangen und die Branche pauschal in Verruf gebracht wird.” Eines ist dem Hotelier-Ehepaar, das sich auf SZ-Anfrage nicht äußern wollte, mit seiner Schildbürger-Aktion jedenfalls gelungen: Jeder in Österreich weiß nun, wo Hochhäderich ist und dass es dort ein Skigebiet mit eigenwilligen Hoteliers gibt.

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here